Wann bzw. wie sollte nach einem zugrundeliegenden Tumor gesucht werden?

Die Tumorsuche richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit eines zugrundeliegenden paraneoplastischen Syndroms und der vermuteten Tumorlokalisation. Auch Risikofaktoren wie Rauchen, Familienanamnese sollten in diese Überlegungen mit einfließen. Die deutschen und europäischen Leitlinien empfehlen bei Syndromen mit Antikörpern gegen intrazelluläre Antigene ein abgestuftes Vorgehen. Bei unauffälliger Primärdiagnostik schließt sich dann die Sekundär-/Tertiärdiagnostik an. Die FDG-PET oder FDG-PET/CT bietet bei unauffälliger Primärdiagnostik eine zusätzliche Sensitivität (20-40%) bei hoher Spezifität (85%)[9], dies gilt allerdings nicht für Mamma-Karzinome, nicht-metastasierte Hauttumore oder differenzierte Teratome. Auch bei AK-negativen Patienten mit wahrscheinlichen, paraneoplastischen Syndromen ist die Verwendung eines Ganzkörper-FDG-PET als hochsensitive Suchmethode für okkulte Tumore eine wertvolle Hilfe in der Differentialdiagnose.[9] Eine rasche bioptische Sicherung ist in der Situation eines suspekten FDG-PET Befundes unbedingt notwendig.

Bei fehlendem Tumornachweis sollte initial nach 3-6 Monaten für mindestens 4 Jahre eine Tumorsuche mit den geeigneten Verfahren (s.u. Tabelle Tumorsuche) durchgeführt werden. Bei der NMDA-Rezeptor-AK-Enzephalitis wird bei Frauen meist eine 3-jährige Nachbeobachtungszeit mit halbjährlichem, gynäkologischem Ultraschall und bei suspekten Befunden diagnostischer Laparoskopie empfohlen. Diese Empfehlungen basieren auf Expertenmeinungen (Siehe deutsche und europäische Leitlinien).

Tabelle: Abgestufte Tumordiagnostik in Abhängigkeit von der vermuteten Lokalisation für ausgewählte Tumore. Sensitivität in Klammern soweit bekannt. EB-US Endobronchialer Ultraschall

TumorDiagnostik
PrimäreSekundäreTertiäre
Bronchial-Karzinom CT-Thorax (80-85%) MRT Thorax FDG-PET oder FDP-PET/CT Bronchoskopie/EB-US und ggfs. Feinnadelpunktion Ggfs. Mediastinoskopie
Thymom CT-Thorax (75-90%),
MRT Thorax
FDG-PET oder FDP-PET/CT  
Mamma-Karzinom Mammographie
(80%), Ultraschall
Mamma-MRT  
Ovarial-Karzinom Transvag. Ultraschall (69-90%) + CA-125 CT-Becken/Abdomen FDG-PET oder FDG-PET/CT
Ovarial-Teratom Transvag. Ultraschall (69-90%) MRT (93-98%) CT-Thorax (extrapelvische Teratome)
Testis-Tumore Ultraschall (72%) + β-HCG, AFP CT-Becken/Abdomen (76%), MRT-Abdomen ggf. FDG-PET oder FDG-PET/CT (maligne Teratome)
Lymphome CT-Thorax/Abdomen
Ultraschall
FDG-PET oder FDG-PET/CT  
Hauttumore (Merkel-Zell-Karzinom) Dermatologische Untersuchung
Ggfs. Biopsie